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Botanischer Garten

Gestern hatten wir eine Führung im Botanischen Garten. Zwecks Fitness bin ich die Strecke nach Gießen gelaufen. 70 Minuten Stechschritt, gebremst durch einige rote Ampeln. Als ich dann in die Zielgerade einlief, das Publikum vergass zu klatschen, begann das Warten. Undercoveragentin Kirchheim kundschaftete die Telefonnummer des Führers aus, und wir erfuhren, dass er krank ist.

Plötzlich erinnerte sich die Gruppe meiner und wollte, dass ich eine Führung mache. Gesagt, getan. Mit den Worten: "Der Botanische Garten ist uralt" und "ein Haufen Bäume rechts und links" zogen wir in den Garten ein. Ziel: Heilkräuter. Dort angekommen, wurschtelten wir uns auf schmalen Pfaden durch die Grünlinge. Einiges wusste ich dazu zu sagen, aber die Gruppe verlief sich. Nicht im Sande, sondern im Grünen. Als wir an hügelige Pflanzungen kamen mit Alpengewächsen, reichte mein Wissen nicht mehr aus, und ich erfand aus dem Stehgreif irrwitzige Geschichten zu den kuriosen Namen. "Langwimprige Alpenrose, gemeiner Steinbrech," usw...

Argwöhnische Sehrestler zweifelten an dem Wahrheitsgehalt meiner Erzählungen, fühlten, prüften, protestierten... Wir hatten unseren Spaß. Der Organisator des Ausflugs saß abseits auf einem Stühlchen und häufelte sich Asche auf sein Haupt. Er fühlt sich verantwortlich für die Führung, die nun keine war. Ich erteilte ihm die Absolution, denn er hatte ja den Kräuterchef nicht niedergestreckt. Auch ohne Begleitung gibt es viel zu sehen, zu fühlen, zu riechen im Botanischen Garten. Eine Oase mitten in Gießen, dessen Ruhepotential man viel öfter nutzen sollte.

Ulrike Geilfus

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© 2002 by Ulrike Geilfus
Erstellt am Fr, 28.03.03, 09:46:09 Uhr.
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