Von Hunden und Menschen /

Von Hunden und Menschen

20 Uhr, das Telefon meiner Schwiegermutter läutet. "Hier ist Frau Z., ich wollte nur mal fragen, warum ich die junge Frau mit ihrem Blindenführhund nicht mehr am S-Bahnhaltepunkt Unna-Massen sehe? Ist etwas passiert?"

Einige Wochen zuvor war ich mit Olly, meinem Schäferhund, unterwegs in Unna-Massen. Kurz vor der Treppe am S-Bahnsteig verweigerte Olly weiterzugehen. "Dort liegen Scherben", erläuterte mir eine freundliche Dame, "Ihr Hund hat vollkommen Recht, nicht weiterzugehen." Wir tauschten dann noch unsere Namen aus, berichteten einander über Arbeit und Hobby. Ein steriles Wundtuch wechselte dann noch die Besitzerin (für Olly, wenn noch einmal Scherben auftauchen), ebenso wie freundliche Abschiedsworte. Wochen später erfolgte dann besagter Anruf. "Wie banal", sagen Sie? Mag sein, ich habe mich trotzdem gefreut, denn Mitmenschlichkeit ist heutzutage selten genug.

Manuela Kürpick

Aus: "Die Gegenwart", Zeitschrift des DBSV, Nr. 11, November 2001.
Weitere ausgewählte Artikel aus der "Gegenwart" finden Sie auf der Homepage des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes.

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Erstellt am Sa, 20.12.01, 07:46:09 Uhr.
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