Showtime /

Showtime

Liebe Freunde,
am Donnerstag war Sehbehindertentag und Showtime im Versorgungsamt. Wir hatten von unserer Bezirksgruppe des Blindenbundes einen Tisch im Foyer. So richtig amtlich mit großen Schildern und Namen und so. Da saß ich mit der Vorsitzenden und harrte der Sehbehinderten, um endlich beraten zu dürfen.

Als erstes kam die Pressefrau, die auch noch privat was mit Öffentlichkeitsarbeit in ihrem Ortsteil zu tun hat. Praktisch. Wir wurden geknipst, aber ich bin doch sehr froh, dass ein anderes Bild gewählt wurde. Wir hatten Simulationsbrillen auf und sahen aus wie Narren. Schließlich wollten wir keine Reklame für einen Faschingsclub machen.

Durch diese Brille, die ich eine Stunde lang konsequent auf der Nase behielt, sah ich grotten-schlecht. Nur schemenhaftes Geschleier. Nix genaues. Ich sah nicht, ob mich jemand anspricht. Wer es ist. Was eigentlich auf dem Tisch rumliegt....

Dann taperte ich an den Tisch mit Hilfsmitteln und fummelte an dem Mensch-ärger-dich-nicht herum. Nach kurzer Zeit ärgerte ich mich saumäßig, da ich es nicht schaffte, die Männlein zu plazieren.

Dann kam ich an die Küchenwaage, die sich genötigt fühlte, mir permanent Auskunft über das Gewicht eines würfels zu geben. Wo war die Stopptaste!!! Ich war genervt und grantig, und dann ging mir auf, dass mich viele Vollblinde um diese Aussicht BENEIDEN würden. Ich war entsetzt. Würde ich mal dankbar sein müssen so viel sehen zu können? Mir war übel.

Diese Brille habe ich jedem Besucher als Dankbarkeitsbrille angepriesen. Irritierte Blicke und die Frage "Wieso"? "Setzen Sie sie ruhig mal auf! Na, wie ist das?" Entrüstete Antwort: "Ich seh nix". Das habe ich dann in die richtige Relation gebracht und aufgefordert, die Hilfsmittel zu erforschen. Zum Schluß, als die Leute die Brille abnahmen, waren sie richtig dankbar für all das, was sie wieder erkennen konnten. Eine Dankbarkeitsbrille ist was feines. Sollte jeder mal probieren.

Im Laufe des Tages kamen wirklich Leute zu uns. Wir hatten gute Gespräche. Auch die Aufteilung unter uns war gut. Ilona kann wunderbar Fakten rüberbringen und ich kann gut fragen und einen persönlichen Kontakt herstellen.

Ab 12 uhr wurde es ruhig und ruhiger. Siestazeit. Ich schlaffte ab. Der Besuch eines Mitglieds riss mich kurzfristig aus meinem Tief, aber nur kurz. Ich war so müde, dass ich schwarz-weiße Zickzacklinien sah und stieg in den falschen Bus. Das "GA" was ich gesehen hatte, stand nicht für Gambach, sondern für Garbenteich. Als der Bus nicht abbog, war ich schlagartig wach. In Petersweiher stieg ich aus und lief heim. Auch nicht schlecht. Das Wetter war schön und ich habe ja das Glück alleine laufen zu KÖNNEN. Uff, ich bin DANKBAR!

Ulrike Geilfus

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© 2002 by Ulrike Geilfus
Erstellt am So, 14.07.02, 09:46:09 Uhr.
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