Waterworld /

Waterworld - eine Duschgeschichte

Ich war zu einer Bibelfreizeit in Hansteadt 1 unterwegs. Es muss wohl auch ein 2 geben, egal, ich war sehr angetan von der Unterkunft. Von andern Bibelschulen, wo man auf harten, schmalen Lagern Gottes Wort nochmal bedenken durfte und von sanitären Anlagen, die man sich mit einer ganzen Etage von Schülern teilte an spartanische Ausstattungen gewöhnt, war ich vom Luxus dieser Zimmer überrascht. Ein schnuckeliges Einzelzimmer, hell, freundlich und dann das Bad!! Ganz für mich allein! Traumhaft! Und noch ein Fenster drin, sowas hab ich daheim nicht.

Zu meiner großen Freude sah ich eine Duschkabine. Feste Schiebetüren versprachen die Freiheit zu wildem Plätschern. Hab sofort alles von mir geworfen und die Kabine geentert. Schäumchen und Cremchen in der Ablage platziert, die Türen mit einem sanften Klicken geschlossen, den Duschkopf auf die richtige Höhe eingestellt .... fasten seatbelts ... no smoking .. und START! Yeah, es war eine Lust, wie das Wasser an mir herunterrauschte, sich teilte, weiter strömte, im Ausguss gurgelte ... ich stand da und grinste mir einen. Später wusch ich mich sogar ...

Als meine Finger die Konsistenz von schrumpligen Rosinen bekamen, fand ich es an der Zeit am gesellschaftlichen Geschehen wieder teilzunehmen und dem Ganzen ein Ende zu machen.

Ging nicht. Die Kabinentür ging nicht mehr auf. Sie war zu. Sie blieb zu. Ich rüttelte, bettelte, hob und zog. Nichts. Da stand ich. Sauber, aber gefangen. Sollte ich schreien und mich gleich am ersten Abend der Gruppe nackt mit Gänsehaut und aufgebrochener Zimmertür präsentieren? Die hatte ich nämlich abgeschlossen. Sollte ich die Kabinenwand besteigen? Fraglich, ob sie es aushielt, ob ich die glatten Wände überwinden könnte. Und dann eventuell nackt, mit Gänsehaut, aufgebrochener Tür und zerschmetterten Knochen ... peinlich.

Wie schon so oft in solchen Situationen kam ich an den Punkt, wo ich alles nur noch grotesk fand. Wie hieß der Film, in dem ich gerade mitspielte?

Lachen entspannt, befreit ... im wahrsten Sinne des Wortes, denn als ich lachend vor der Kabinentür kniete, sah ich einen winzigen kleinen Riegel, den ich mit dem Nagel anstupste.

Meine Gefängnistür glitt lautlos zur Seite, ich kippte vornüber und lag - Ende gut, alles gut - auf den Badekacheln. Fußbodenheizung! Ich liiiiiiiiebe Fußbodenheizung!!

Ulrike Geilfus

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© 2002 by Ulrike Geilfus
Erstellt am Di, 08.10.02, 08:01:19 Uhr.
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