Hundestory /

Eine Hundestory

Wieder einmal war mein Kühlschrank leer und somit zeit, ihn mit neuer Nahrung zu versorgen. Also trank ich meinen Kaffee, Rasierte mich und schnappte mir mein Einkaufswägelchen. Noch einen kurzen Blick ins Portemonnaie und los ging's.

Vor der Haustür zündete ich mir meine obligatorische Einkaufszigarette an und marschierte los. Es war ein herrlicher Frühlingsmorgen. Die Sonne schien bereits und es tat gut die kühle reine Luft zu atmen. Etwa zehn Meter vor mir hörte ich, wie jemand hinter einer etwa 70 cm hohen Hecke im Garten arbeitete. Als ich noch fünf Meter von der Hecke entfernt war, wurde es still und jemand richtete sich im garten auf. Ich wollte eben ansetzen, um der Frau im Garten einen Guten Morgen zu wünschen als sie plötzlich rief: "NEIN!" Ich stutzte und dachte: wieso soll ich sie nicht grüßen.

Etwas verdutzt lief ich langsamer weiter. Dann rief sie: "NEIN! Rudi! Nein!" Rudi? das ging mich nichts an; denn so lautet mein Name nicht. Aber da hörte ich auch schon was gleich passieren würde. Ein Hund kam auf die Hecke zugelaufen. Vorsorglich verließ ich schon einmal das Trottoir und dachte: na ja, der Köter wird ja wohl in seinem Revier bleiben um es zu verteidigen. Kaum gedacht, machte er einen Satz über die Hecke und bäumte sich rechts vor mir auf. Er bellte in solch einer Lautstärke los, daß jegliches Geräusch erstarb. Ich blieb stehen. Das Herz wollte in Richtung Hosentasche verschwinden. Es war ein Kalb von Hund. Ich überlegte mir, daß wenn ich um den schwarzen Kleinbus, der vor mir parkte herumlaufen würde, ich mich von seinem Revier weiter entfernen würde und der Köter dann von mir ablassen müßte. Als ich meinen Linken Fuß nur andeutungsweise bewegen wollte, tobte die Bestie noch wilder los. Nun verschwand mein Herz doch in der Hosentasche und ich stand wie gelähmt mit meiner Angst völlig alleine da. Nun hoffte ich, daß sich die Frau hinter der Hecke irgendwann mal bequemen würde, ebenfalls über die Hecke zu springen, um ihre aus der Kontrolle geratene Waffe wieder zu bändigen; und das hoffentlich bevor es zu spät war. Nach einer scheinbar unendlichen Ewigkeit tat sie das dann auch. Kein Wort der Entschuldigung. Ich brachte ebenfalls kein Wort mehr heraus. So weiche Knie hatte ich soweit ich mich erinnern kann noch nie in meinem Leben. Irgend etwas schien dem Köter an mir nicht zu gefallen. War es meine Frisur? Oder vielleicht mein Weißer stock? Ich weiß es bis heute nicht und den Weg bin ich auch nie wieder zum Einkaufen gegangen. Zum glück führen alle Wege nach Rom.

Rainer Heim

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© 2003 by Rainer Heim
Erstellt am Do, 04.12.03, 17:30:19 Uhr.
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