Sehende Menschen brauchen manchmal Licht /

sehende Menschen brauchen manchmal Licht

Es gibt überall kleine Fettnäpfchen, in die eigentlich nur ein Blinder tappen kann.

Ich hatte gerade meine neue Wohnung bezogen. Einige Möbel standen schon. Im Keller standen noch jede Menge Umzugskartons, die wir am vergangenen Wochenende nur schnell aus dem Auto geladen und in meinem Keller abgestellt hatten. Die trug ich nun nach und nach hoch.

Es war so ungefähr 21.00 Uhr. Im Treppenhaus begegnete mir, während des Kisten tragens, ein Nachbar. Er bot seine Hilfe an. Wir gingen nun also gemeinsam zurück in den Keller, um noch ein paar Kisten nach oben zu befördern.

Bis zur Wohnungstür ging auch alles gut. "Stellen Sie die ruhig einfach gleich in den Flur ganz vorn. Die räume ich nachher weg.", sagte ich über die Schulter zu ihm und schritt voran. Warum zögerte der Typ denn plötzlich an der Tür und kam nicht weiter?

Ich stellte meine zwei Kisten ab, ging zurück und nahm seine Kisten dankend entgegen. "Ganz erstaunlich.", murmelte er verwundert vor sich hin, "bewegt sich weiter so sicher, als hätte sich nichts verändert."

Damit war wohl ich gemeint. Aber was erstaunte ihn denn so? Es hatte sich ja auch nichts verändert. Noch kurz mit hineinkommen wollte er nicht und verschwand schnell.

Erst viel später, als er längst weg war, ist es mir eingefallen. Ich hatte noch keine Lampen. Die brauchte ich ja auch nicht. Ich hatte einfach noch nicht daran gedacht, welche aufzuhängen oder jemand Anderen darum zu bitten. - Hm - Ich glaube zu dieser Jahreszeit war es um 21.00 Uhr schon dunkel.

Yvonne Ramm

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© 2007 by Yvonne Ramm
Erstellt am Fr, 21.09.07, 08:01:19 Uhr.
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