Kristallwelten und Innsbruck /

Die Kristallwelten und Innsbruck

Der Entschluß

Es ist gegen 15:15 Uhr am 01.01 2001. Ich habe am 30.12 2000 zum zweitenmal im Radio einen Beitrag über die Kristallwelten von Swarovski gehört und bin begeistert. Lutz sieht im Internet nach und findet die Öffnungszeiten und eine Anfahrtsbeschreibung. Ich frage ihn, was er davon hält, wenn ich nach Innsbruck fahre. "Fahr doch", meint er. Ich packe unseren VGN-Rucksack und vergesse auch den Eurosteckeradaptersatz nicht. Über den D2-Hotelservice buche ich. Es ist nur noch etwas im Austrotel frei. Teuer mit 211 DM pro Nacht, aber ich habe mich entschieden und das Fax mit der Bestätigung trifft um 16:00 Uhr ein.

Lutz begleitet mich zur S-Bahn, sonst würde ich sie nicht mehr bekommen. Um 17:30 Uhr fährt zwar erst der Zug, ich habe aber nur 40 Minuten-Takt und muß mir noch im Nürnberger Baustellenbahnhof eine Karte kaufen.

Chaosfahrt, die erste

Nach München verläuft die Fahrt normal. Im Zug nach Innsbruck begegne ich einer Frau, die davon überzeugt ist, ich sitze im Zug nach Salzburg. "Sie müssen aber doch ins Inntal", meint sie und ich rufe meinen lebenden Fahrplan den liebsten Ehemann von allen an. Lutz sagt, ich solle fragen in welchem Zug wir sitzen. Sie weiß es nicht, sie ist nur eingestiegen und fährt nach Rosenheim. "Wer nicht weiß, in welchem Zug er sitzt, kann keine Auskunft geben", sagt Lutz. Vor Rosenheim kommt noch der Schaffner und er sagt nichts von wegen falscher Zug. Ich wechsle in den Großraumwagen wegen der dort vorhandenen Lautsprecheransagen und unterhalte mich "mit inne echt kölsche Jung", wie er sagt, der auch in Innsbruck aussteigt und mit mir zu einem Taxi geht.

Im Hotel wechsle ich 100 DM um und bekomme 650 ATS. Das Zimmer ist dem Preis angemessen. Ich fühle mich dort sehr sehr wohl.

Am nächsten Morgen muß ich mir nicht mühsam mein Frühstück vom Buffet organisieren. Ein netter Angestellter sagt mir was es gibt und bringt mir die Sachen an den Tisch. Zwischendurch werde ich auch gefragt, ob ich noch etwas möchte. Da habe ich schon ganz andere Sachen auf meinen Alleinreisen erlebt und bin freudig überrascht. Überhaupt sind alle im Hotel sehr zuvorkommend aber nicht überhilfsbereit.

Mit 650 ATS komme ich, habe ich schon mal die Gelegenheit bei Swarovski einzukaufen, nicht weit. Man macht das ja nicht jeden Tag. Der Taxifahrer fährt mit mir zu einer Bank und ich versuche Geld beim Bankomaten (Geldautomat) abzuheben. Ich weiß nicht, wo die O.k.-Taste nach der Geheimzahleingabe zu drücken ist und frage den Taxifahrer. Leider weiß der ältere Mann das auch nicht. Als der am Nebenautomaten selber beschäftigte Österreicher das merkt, sagt er es mir. In der Zwischenzeit hat sich die eingegebene Geheimzahl anscheinend auf Reisen begeben. Nichts geht mehr. Der Taxifahrer ist ratlos. Der neben mir stehende freundliche Herr hilft mir und erledigt gleichzeitig seine Bankgeschäfte. Ich bedanke mich und bin so groß im Komplimentverteilen an die tollen Österreicher, die niemanden im Regen stehen lassen, wie der Taxilenker in seiner vorherigen Ratlosigkeit. Im Taxi fragt der Fahrer, wann ich von den Kristallwelten wieder zurück möchte. "Ich bin im Urlaub und nicht auf der Flucht, ich will mir Zeit lassen", sage ich.

Die Kristallwelten

An der Kasse warte ich ca. 7 Minuten, bis ein Führer (nicht so jemand wie von 1933-1945) für mich Zeit hat. Was ich nicht wußte war, daß es eigentlich nur Führungen für Gruppen gibt. Alleinreisende müssen sich selber durchwursteln. Mein Begleiter in die Kristallwelten heißt Florian Gasser und ist sehr freundlich. Die Ausstellung befindet sich im Bauch eines Riesen. Vor dem Riesen stehen zwei feuerspuckende Drachen. Der Riese spuckt Wasser.

In der ersten Halle treffe ich die Frau, welche die Dame vom bayerischen Rundfunk führte. Ich erkenne sie an der Stimme. Beide Swarovskianer geben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß ich nur wegen der Kristallwelten nach Österreich gefahren bin.

Der erste Raum ist 11 Meter hoch. Wir stehen vor einer Wand, in der 11 Tonnen Kristall verbaut sind. Die Wand ist 42 Meter lang. Ich kann die auf mich zu stehenden geschliffenen Kristalle sogar sehen! Ich sehe sie als helle Punkte. Man soll in diesen Welten den Alltag vergessen, so gebe ich Florian meinen Blindenstock und habe beide Hände und alle Sinne für das zu Begreifende frei.

Im nächsten Raum läuft eine Animation der Entstehung eines Planeten. Die 3D-Animation wird von phantastischen Surroundklängen untermalt. Erst der Urknall, dann ein Vulkan mit rollenden Gesteinsbrocken und dann regnet es. Das Leben unter Wasser entsteht und bei der Entstehung des Lebens auf dem Land hört man Vögel singen und fliegen und dazwischen einige Flötentöne. Es ist herrlich! Und wir sind immer von Klang umgeben.

Der nächste Raum ist der Kristalldom. Die Wände sind 595 Spiegel. So haben sich die Designer das Innere eines Kristalls vorgestellt. Die Akustik ist sehr eindrucksvoll: Der Schall wird ebenfalls reflektiert und es entsteht ein Echo. Es wirkt so, als seien viele Leute im Dom. Florian sagt, daß viele Menschen die vielen Spiegel nicht vertragen und den Dom schnell wieder verlassen.

Im Kristalloskop gibt es zwei Pyramiden. Eine an der Decke, die nach unten zeigt und eine am Boden, die mit der Spitze nach oben weist. Lichteffekte kommen von oben nach unten und später umgekehrt.

Im Kristalltheater sind verschiedene Märchenfiguren zu sehen, die man aber leider nicht anfassen kann.

Wir stehen auf einer Glasplatte und einen Meter unter uns dreht sich ein Kristallfluß. Im Fluß steht folgendes zu lesen:
"Nun, da geblickt wird darauf, vereinen Myriaden Lichtelchen sich mit den Augen."

Wir stehen vor einer Figur aus weißen Kristallen. "A bisserl Stoff is a dabei", sagt Florian. Ich sage "ich würde das wahrscheinlich als Engel interpretieren."
"Als Engel", sagt Florian, "aber für mich schaut's so aus, als wenn er sich den Kopf abreißt. Es ist sehr komisch. Diese Figur hat für mich etwas Heiliges und doch wieder was Dämonisches. Es vereint für mich Gut und Böse, Weiß und Schwarz. Weiß schaut's aus, schwarz tut's."

In der Kristallkalligraphie duftet es herrlich. Der Duft ist herb aber angenehm. Man kann ihn kaum beschreiben. Minzig und wie Geranium.

In der Eisgasse läuft man über eine Glasplatte und unter den Füßen ändern sich die Bilder. Tiere, Feuer und Wasser; und auch ein mm² Sand wurde fotografiert und auf einen halben m² vergrößert.

Im Meditationsraum kann man Phantasieanimationen sehen und wieder, wie überall den Sphärenklängen lauschen. Nur der Kristalldom war ohne Musik, dort wirkte aber die Reflektionsakustik sehr stark.

Es war eine sehr beeindruckende Ausstellung für mich, in der ich wirklich verzaubert wurde und den Alltag vergaß.
Florian nahm sich sogar die Zeit, mich bei den Einkäufen zu begleiten. Ich kaufte den Schwan, das Emblem von Swarovski, Ohrringe und die dazu passende Halskette, ein T-Shirt und Schlüsselanhänger mit Tierkreiszeichen.

Shopping in Innsbruck

Florian beschrieb mir den Rückweg zur Bushaltestelle. Zur Zeit war kein Taxi frei. Ich sollte danach durch einen Park gehen. Ich folgte zwei mit Elan laufenden Italienerinnen. Nach ca. 20 Metern kam mir der geniale Gedanke, sie zu fragen, ob sie überhaupt zur Bushaltestelle gehen. Sie wußten nicht wo die "Statione de la Autobus" ist, also versuchte ich es radebrechend mit "la Statione de la Traino". Sie wußten auch nicht den Weg dort hin. Ich bedankte mich, sie hatten ja schließlich wegen mir ihren Laufschritt unterbrochen. Auf dem Absatz machte ich kehrt und lief zurück. Ich wollte mich nicht im Park verlaufen. Es war zu glatt, als daß ich den Frauen mit meinen Schuhen hinterher rennen hätte können, um so hinter unbeabsichtigter Führung den Park zu durchqueren. Ich traf eine Frau, deren Familie in den Kristallwelten weilte, während sie ihre zwei Hunde ausführen mußte. Sie mußte sowieso mit ihnen spazierengehen und brachte mich gegen 11:58 Uhr zur Bushaltestelle Richtung Innsbruck. Der Weg führte übrigens am Park vorbei. Durch den Park hätte ich evtl. abkürzen können, aber ich hatte keine Winterstiefel an und so war das besser.

Laut Auskunft der netten Dame fuhr der Bus um 12:28 Uhr. Der um 12:01 Uhr würde hier nicht halten. Tat er aber doch. Der Fahrer begrüßte mich mit "Grüß Gott". "Fahren Sie nach Innsbruck?" "Ich probier's", meinte er. "Prima, dann probier ich es auch", sagte ich und stieg ein.

In Innsbruck bestand mein Shopping aus Durchfragen, weil ich in zwei Läden die gesuchten CD's nicht bekam. Im Einselen oder so ähnlich bekam ich die gesuchte STS-CD und im Libro die Ambros-CD. "Taubenvergiften im Park" konnte ich in ganz Österreich anscheinend nicht, zumindest nicht musikalisch. Am nächsten Tag im Mediamarkt hatte ich nämlich auch umsonst gefragt. Aber den Titel und Interpreten hat mir dort jemand aufgeschrieben. Ich kaufte mir ein Band für die Haare, weil ich an einem Geschäftseingang vorbei kam und jemanden fragte, was das für ein Geschäft sei. Es war ein Modeschmuckladen. Es ist schwer, für die Haare noch was zu finden, was ich noch nicht habe und was mir gefällt, aber heute gelang es mir. Ich trank irgendwo einen "Cappuccino mit Schlag" und aß einen Apfelstrudel mit Vanillesoße. Ich dachte an die kleinen Flaschen, die man im Hotel bekommt und wußte, daß ich mehr Durst haben würde. Ich fragte jemanden nach einem Lebensmittelmarkt und wurde wieder mal ins "Kaufhaus Tirol" geschickt, das ich gedanklich schon als "Kaufhaus nicht voll" bezeichnete, weil man mich dort wegen CDs durch 3 Abteilungen geschickt hat. Der Verzweiflung nahe sagte ich "nein, nein, da war ich schon wegen CDs, die haben nichts. Wie sollen die Lebensmittel haben?" Die Frau beruhigte mich und meinte, daß unten ein großer MPREIS sei. Ich fuhr nach unten und schaute mich um. Ich fand etwas Gebäckähnliches und dachte, das nehm ich gleich mit. Sicherheitshalber erkundigte ich mich noch. Es waren "Linzer Augen", handtellergroße Mürbeteigkekse mit Marmelade in der Mitte. Ich kaufte Almdudler und Mineralwasser. Dann fuhr ich mit dem Taxi nach Innsbruck-Reichenau zum Hotel.

Abends an der Bar treffe ich ein nettes Pärchen. Sie bleiben noch bis Sonntag.

Chaosfahrt, die zweite

Von Innsbruck bis München muß ich stehen. Der Zug ist sehr voll. Ich treffe jedoch einen Tiroler und seine deutsche Freundin. Sie machen gerade "Familientournee" und fliegen am Sonntag nach Glasgow, wo beide leben. Kurz nach Innsbruck kommt ein riech- und hörbar besoffener zu uns auf den Gang und fragt nach einem Korkenzieher. Niemand hat einen. Der Typ wird lauter und ich habe Angst, daß er randaliert. Christian, der aus Glasgow, steht vor der Tür auf den Treppenstufen und somit etwas abseits. Er bietet mir an zu tauschen, da der Besoffene genau hinter mir steht. Wir wechseln die Plätze und reden noch. Da fragt der Typ zum dritten Mal nach einem Korkenzieher. Christian dreht sich ruckartig zu ihm um und sagt böse: "Jetzt hast uns scho dreimal gfrogt, mir hom kann und jetzt baßt's!" Ich bin verblüfft, denn der Besoffene zieht auf Nimmerwiedersehen ab. Im übrigen ist Christian ein Zyniker und so frotzeln und plaudern wir alle bis München. Z. B. sagt er, daß Österreicher gerne Witze über Katastrophen machen. Daraufhin sage ich: "Gibt's denn auch schon welche zum Unglück am 11.11?" "A, die Röschtibahn? Aber, bei Euch springen die Züge immer aus den Schienen." Wir sind inzwischen in der Nähe von Rosenheim. "Schau, do fährt a Springbahn", sagt er. Das war eine meiner schönsten Zugfahrten überhaupt!

In Steinberg warten Lutz und Pascal an der S-Bahn auf mich. Ich bin freudig überrascht!
Ich habe den Urlaub sehr genossen und möchte mich noch mal bei Dir, Lutz, dafür bedanken. Du hast mir die Zeit dafür geschenkt, Zeit ist das wertvollste überhaupt, denn man kann sie nicht kaufen, man kann sie nur mit Leben füllen. Danke, daß Du Pascal so schön umsorgt hast!
Ich hoffe, euer Kopfurlaub mit mir als Reisebegleiterin hat euch gefallen. Bis bald, Eure Sandra Grenzer

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© 2002 by Sandra Grenzer
Erstellt am Sa, 16.11.02, 11:01:19 Uhr.
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