Über mich /

Über mich - eine Art Lebenslauf

Mein Name ist Petra Raissakis. Falls Sie sich über den langen, unaussprechlichen Nachnamen wundern, der ist griechisch. Mein Vater stammt von der Insel Rhodos. Er lebt aber schon sehr lange in Österreich.

Ich wurde am 20.4.1967 in Graz geboren. Dass ich nichts erwarten kann, bewies ich bereits bei meiner Geburt. Ich kam nämlich gleich drei Monate zu früh auf diese Welt. In Mamas Bauch war es mir wohl zu eng, denn wir waren zu zweit, und wahrscheinlich auch zu langweilig. Leider schaffte es meine Zwillingsschwester nicht, obwohl sie das kräftigere Baby war. Ich kämpfte mich mit meinen 700 Gramm durch. Zum Glück habe ich es ohne schwerwiegende Behinderung geschafft.

Im Inkubator (Brutkasten) wurden durch die Sauerstoffverabreichung meine Augen geschädigt (Retrolentale Fibroplasie), sodass ich völlig erblindete.

Leider wuchs ich bis zu meinem neunten Lebensjahr als Einzelkind auf. aber meine Großmutter, bei der ich bis zum Schuleintritt die meiste Zeit lebte, hat sich sehr viel mit mir beschäftigt und mich gut gefördert. Bis zu meiner Einschulung hatte ich kaum Spielgefährten, da ich ein sehr schüchternes Kind war. Von einem Bruder oder einer Schwester hätte ich viel lernen können. Damals gab es noch keine Frühförderung sehbehinderter Kinder. Und für meine Eltern und Großeltern war es sicher nicht leicht. Sie haben es ausgezeichnet gemacht und ließen mich meine Grenzen erforschen. Mittlerweile habe ich drei gesunde Geschwister.

Von 1973-1977 besuchte ich die Volksschule für sehbehinderte und blinde Kinder am Odilien-Institut in Graz.

1977 - also mit zehn Jahren - kam ich ins Internat am Bundes-Blindenerziehungsinstitut in Wien. Zwar war die Trennung von zu Hause Anfangs nicht einfach, doch hatte es auch seine Vorteile. Ich musste selbständig werden. denn meine Mutter hatte mir Vieles abgenommen.

1982 schloss ich die Schulzeit mit dem Hauptschulabschluss und dem Polytechnischen Jahr ab. Gymnasium für Blinde gibt es in Österreich keines, und von Integration war damals noch keine Rede.
Von 1982-1984 absolvierte ich an der selben Wiener Schule eine zweijährige Stenotypistenausbildung.

Endlich mit Schule und Ausbildung fertig, kehrte ich nach Graz zurück.

Seit 1986 arbeite ich als Sekretärin bei der Steiermärkischen Landesregierung.

Da meine Eltern etwas außerhalb der Stadt wohnen, entschloss ich mich, kurz nachdem ich zu arbeiten begonnen hatte, von Zuhause in eine eigene Wohnung in die Stadt zu übersiedeln, um unabhängiger zu sein. Im Mobilitätstraining lernte ich, mich auf der Straße zurechtzufinden. Im LPF-Training (Training für Lebenspraktische Fertigkeiten) wurde mir beigebracht, meinen Haushalt zu führen.

1996 wurde nach langen Irrwegen und unangenehmen Untersuchungen eine seltene Muskelerkrankung (Morbus Pompe) diagnostiziert. Es handelt sich um eine vererbliche, fortschreitende Stoffwechselstörung im Muskel. Diese Störung bewirkt eine Schwächung der Muskeln. Nachdem die Erkrankung bei mir erst im Jugendlichenalter ausbrach, ist ihre Auswirkung nicht ganz so gravierend, (tritt die Erkrankung im Säuglingsalter auf, sterben diese Kinder meist recht jung, da auch das Herz betroffen ist). Bis jetzt gibt es "nur" eine Therapie, die die Erkrankung etwas verlangsamt, und kein Arzt kann sagen, wie rasch diese Erkrankung bei mir fortschreiten wird. Mittlerweile ist es so, dass ich nur noch sehr kurze Wegstrecken zu Fuß zurücklegen kann. Stiegen Steigen bereitet Schwierigkeiten und das Benützen von Öffentlichen Verkehrsmitteln ist mir, durch die meist hohen Stufen, nicht mehr möglich. Nachts muss ich beatmet werden, weil auch die Atemmuskulatur betroffen ist. Dadurch bin ich in meiner Mobilität schon ziemlich eingeschränkt. Nachdem ich es Jahrelang gewohnt war, selber mit dem Langstock unterwegs zu sein, ist es eine ziemliche Umstellung, das jetzt leider nicht mehr zu können.

Die Erkrankung betrifft auch die Armmuskulatur, sodass ich nichts Schweres mehr tragen kann. Auch die Rückenmuskulatur ist davon betroffen, was Verspannungen, und dadurch Kopfschmerzen, verursacht und das Sitzen im Büro oder vor dem PC nicht immer zum Vergnügen werden läßt.

Durch diese Zusatzbehinderung, von der ich nicht weiß, in wie weit sie mich zukünftig einschränken wird, habe ich gelernt, das Leben noch mehr und bewusster zu genießen.

2001 habe ich durch meine Homepage meinen Freund Falk kennengelernt. Seit Mai 2003 leben wir nun zusammen und genießen die Zeit miteinander.

Petra Raissakis

© 2010 by Petra Raissakis, Graz
Erstellt am Fr, 05.03.10, 12:00:47 Uhr.
URL: http://