Autofahren für Blinde /

Autofahren für Blinde

Blinde fahren Auto! - wie sich das anhört!
Ein lange gehegter Wunsch geht in Erfüllung. Wie freuten wir uns schon auf den Samstag; sogar Freund Petrus hatte ein Einsehen mit uns und schickte ein Kaiserwetter. Die Veranstaltung ist mehr als gut angekommen, es meldeten sich über fünfzig Teilnehmer, das war schon fast zu viel. Sogar Teilnehmer aus den Bundesländern kamen zur Veranstaltung. Über E-Mails und Mundpropaganda kam die gute Nachricht unters Volk.

Durch Dietmar Ogris' Ide wurde - erstmalig in Österreich - vom BFI (Berufsförderungsinstitut) Steiermark zusammen mit dem ARBÖ (Auto und Radfahrerbund Österreichs), dem Porscheklub Graz und der Fahrschule Stummer Graz ein Autofahren für Blinde veranstaltet. Auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt; für diese kulinarischen Kosten kam dankenswerterweise die Stadt Graz auf. Vom BFI erhielt jeder Teilnehmer ein T-Shirt mit entsprechender Aufschrift, von der AUV (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) ein Kapperl, ein guter Schutz gegen die pralle Sonne, und zum Schluß einen Erstehilfepolster.

Auch ein Rettungswagen war vor Ort, der aber zum Glück nur zum Anschauen benötigt wurde. Klein Gabriel, der kleine Sohn von Barbara, durfte auach mitfahren und kräftig hupen. Hurra, das war ein Spaß! Gabriel durfte auch im Fond des Wagens mit einer Fahrlehrerin mitfahren, den seine blinde Mutter steuerte. Auch dort durfte er anschließend auf dem Fahrersitz Platz nehmen und kräftig hupen. Vater Erich fotographierte das seltsame Treiben.

Im Anschluß an die Eröffnungsansprachen und die Bekanntgabe des Ablaufes war der erste Programmpunkt das Rundendrehen in einem Porsche. Wer kommt schon einmal dazu, in einem Porsche mitzufahren? Die Beschleunigung war gigantisch und wie dieser in die Kurve geht! Die erste Runde war sozusagen zum Tuchfühlen, die zweite zum Auskosten. Das war ein Feeling! Ich hatte das Glück, in einem Cabrio mitfahren zu dürfen; da fühlt man alles gleich noch besser. Die Fahrer, die ihren eigenen tollen Wagen verwendeten, waren sehr nett und beantworteten die vielen Fragen so gut es die Zeit erlaubte sehr zzufriedenstellend. Für mich war das sehr interessant, aber so eine kräftige Beschleunigung ist nicht grad mein Fall, da war mir fast etwas mulmig. Alle andern hätten sich davon schon etwas mehr gewünscht. Bei der großen Teilnehmerzahl war das aber nicht möglich.

Der nächste Programmpunkt war das Motorradfahren. Wir durften auf einer Honda Goldwin, ein tolles Gerät im Werte von einer halben Million ATS mitfahren. Jedeer durfte sich die Maschine ansehen und erklären lassen. Das Mitfahren habe ich lieber bleiben lassen. Der Ton dieses Gerätes ist nicht so aggressiv wie bei anderen Maschinen, die "Sprache" bei der Beschleunigung spricht Bände. Das Feeling wurde von allen als erhebend bezeichnet.

Nun kam der Hauptbewerb. Es standen fünf Fahrschulautos zur verfügung, darunter zwei Cabriolets. Im offenen Wagen hört sich der Motor anders an und das Gefühl für Bewegung und/odeer Geschwindigkeit kommt viel intensiver heraus.

Meine persönliche Erfahrung:
Ich brauchte nichts mehr zu essen und zu trinken, so aufgeregt und voller Erwartung war ich. Ich konnte es kaum erwarten bis ich an die Reihe kam. Endlich wurde ich geholt. Nachdem ich mich angegurtet hatte, erklärte mir der nette Fahrlehrer Martin die Schalter, Hebel und Pedale. Zuerst die Handbremse, die Gangschaltung, und nachdem ich mir das alles halbwegs eingeprägt hatte, ging es an den Start. Zuerst löste ich die Handbremse, wir standen ohnedies nicht auf abschüssigem Grund - dann legte ich den ersten Gang ein. Ich trat auf die Kupplung und betätigte den Startschlüssel. Jetzt wurde ich leicht neervös. Martin selber blieb so ruhig, daß er mich damit ansteckte, und so ließ ich ganz langsam die Kupplung los. Oh, welchews Gefühl, der Wagen setzte sich unter meinen "Befehlen" in Bewegung.

Der Kurs war mit sogenannten Hüten abgesteckt. Ich konnte also nicht so kreuz und quer fahren, wie ich wollte. Da kamen die Anordnungen von Martin: "Rechts drehen, etwas links, das Lenkrad wieder in die Gasausposition bringen, wieder links, etwas mehr zurückdrehen" und so weiter und so fort. - "Leicht auf Gas" hurra, da gings dahin mit uns. Leider kam ich beim Lenken öfter an der Hupe vorbei. das schadete aber nicht, wenigstens wichen alle aus. "Weg vom Gas, bremsen!" Oje, das war etwas zu rasch, ein Ruck und unter uns knirschte der Kies. "Bremse loslassen, nach links, etwas stärker, Gas zurück, etwas rechts" wie gut das funktionierte. Jetzt brauchte ich nur noch freie Bahn.

Leider fuhr vor mir ein "Anfänger" der zockelte so langsam dahin. Wir wollten etwas Abstand gewinnen, um dann richtig loslegen zu können. Während wir warteten, überholten uns die anderen "Langsamen", und dadurch kam ich nicht zu meiner schnellen Runde; die Zeit war leider schon zu Ende und andere wollten auch noch drankommmen. Es ärgerte mich sehr, daß ich mit meinem gut erklärenden Martin nicht so richtig loslegen konnte, ich war mir so sicher in der Bedienung, und Martin mußte nur einmal in die Lenkung eingreifen, sonst hätte ich ein Hütchen über den Haufen gefahren. Mit Martin hätte ich mir mehr zugetraut, z. B. wünschte ich mir über den A1-Ring zu glühen.

Nichhts desto Trotz war meine Fahrt zu Ende; Ich stellte den Wagen an seinen Platz zurück, betätigte die Kupplung und stellte den Motor ab. Dann zog ich die Handbremse an; ganz stolz stieg ich aus, bedankte mich bei meinem guten Lehrer Martin und ging zu meinen Kameraden zurück.

Wenn es wieder einmal eine Gelegenheit zum Fahren gibt, bin ich sofort wieder dabei. - Jetzt habe ich einen blauen Dunst davon, warum die Menschen den Führerschein nicht abgeben wollen, wenn sie nicht mehr fahren sollten oder dürfen. Zu verlockend ist das Ganze. Ich kann mir auch ein klein wenig vorstellen, wie oft Rennfahrer schalten müssen.

Die Veranstaltung war ein voller, toller Efolg. Unser Dank gilt allen beteiligten Veranstaltern, Oreganisatoren und Helfern. - Die Aussagen der Fahrlehrer waren durchwegs gut:
"Wenn sich alle Fahrschüler zu Beginn so verhalten würden wie Ihr, würden wir uns freuen." Und gefürchtet hat sich auch niemand; das ist wohl auch ein Verdienst der Fahrschule, daß sie so gute Lehrer beschäftigen.

Anna Nussthaler

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© 2001 by Anna Nussthaler, Graz
Erstellt am Mo, 03.09.01, 09:07:46 Uhr.
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